Jürgen Heinemann, Du hast, wie wir alle, immer geraucht. Im Gang, während der Fachprüfungen, im Seminar. Nur in der Dunkelkammer, da hast du es dir verkniffen. Du warst immer schon ein Fotoreporter alter Schule. Ich fand Dich sehr, sehr cool.
Auch fand ich dich damals (also 1989-1994, ich war Mitte/Ende 20) schon alt – du warst so alt wie meine Eltern, ein Methusalem, Mitte 50. Aber im Vergleich warst du so was von jung. Deine Augen scannten blitzschnell die Umgebung, die Bilder, die Situation. Immer interessiert, immer offen. Alt wirktest Du nur durch deinen nervösen Tick, das leichte Zittern, deine eigentlich immer nach innen gewandte Stimme, die mehr im Dialog mit dir selbst zu sein schien. War sie aber nicht.
Ich und unzählige meiner Mitstudenten der Visuellen Kommunikation im Fachbereich Gestaltung an der Fachhochschule Bielefeld verdanken dir unschätzbar viel: Deinen Blick, Deine Genauigkeit beim Bildstreckenlegen, den Anschlüssen, Deinen Fokus auf den Inhalt.

Unvergessen die intensiven Bilddiskussionen, die Argumentationen: warum dieses Bild, diese Einstellung, wäre es nicht so oder so evtl. besser gewesen? Hält die Grundidee? Die Diskussionen mit eingeladenen Fotografen oder die Exkursionen: Bilder muss man machen. Rausgehen in die Welt. Schauen, machen. Konzept können wir hinterher schauen. Fürs Konzept war Gottfried zuständig, Prof. Gottfried Jäger. Rollen klar verteilt.



Mein Diplom Maasstad habe ich bei dir gemacht – IN FARBE. Dass Du als SW-Enthusiast DAS zugelassen hast, rechne ich dir für immer hoch an. Danke.
Nun bist du für immer gegangen. Danke für alles. Und grüß’ meine Kommilitonen Franjo Tholen (*1960, †2021), Martin Langer (* 1956, † 2022), Anne Eickenberg (*1969, †2025) und (auch, wenn er nicht mit uns studiert hat) Andreas Herzau (* 1962, † 2024) dort oben, weit über den Wolken. 2025, ein Biest von einem Jahr.




