Je perfekter der Output Generativer AI wird (d.h. je unverhohlener sie die jahrzehntelange Arbeit von Kreativen in Wort, Ton und Bild in globalem Maßstab plündert, kopiert und weiterverwurschtet), desto größer wird der #HungerNachEcht.
Seit den Neunzehnhundertneunziger Jahren des letzten Jahrtausends bin ich als Fotograf im Studio und in der echten Welt unterwegs, als Chronist des Einmaligen.
In der Fotografie sind es oft nur Sekundenbruchteile, die über Gelingen oder Scheitern entscheiden – das gilt für Street Photography, Portrait und Reportage gleichermaßen. In meiner fortlaufenden Werkreihe En Passant sammle ich unwiederholbare Konstellationen und Situationen, Zufallsfunde und -begegnungen, und meine aktuelle Reise nach China hat mich einmal aufs Neue inspiriert und mir mit Vehemenz gezeigt, wie wichtig es ist, sich auch außerhalb seiner eigenen Vorstellungswelt und Blase zu bewegen.Je lauter euphorisierte BuchhalterInnen, Salespeople und selbsternannte KI-ExpertInnen in aller Welt rufen: „DIESES AI-MODEL IST DAS ENDGÜLTIGE ENDE DER KREATIVEN!!!“, desto lauter lache ich. Ihr habt ja gar keine Ahnung, weder vom Designprozess, von Fotografie, Musik oder Literatur – die sich immer INHALTLICH auseinandersetzen mit ihren Sujets. Ihr wollt euch auf Kosten der Allgemeinheit (Ja, AI ist Raubkunst. Ja, AI zerstört die Umwelt. Ja, AI verschiebt die politischen und wirtschaftlichen Machtstrukturen, und nicht zu unseren Gunsten. Und ja, AI macht dumm.) ein paar Euro sparen für DesignerInnen, FotografenInnen, IllustratorInnen, ÜbersetzerInnen uswusf, gebt es doch zu. Und so (eben wie von BuchhalterInnen, Salespeoples oder anderen unkreativen Expertinnen gemacht) sehen die Ergebnisse dann auch aus, die wir auf LinkedIn und anderen Plattformen täglich marktschreierisch präsentiert bekommen: Das sovielte StarWars-Szenario löst bei mir doch nur noch Gähnen aus. Wie unendlich langweilig. Wie öde.
Und dann bietet ihr uns (das ist ja der eigentliche Zweck der ganzen Drohkulisse) Kurse zur Selbstverbesserung mittels KI an. Damit wir endlich auch unser ganz eigenes StarWars-Szenario generieren können! Toll.
Oha.
Ich sag mal so: Ich mache mir meine Bilder von der Welt da draußen weiter lieber selber, heute mehr denn je. AI darf sie mir entrauschen und schärfen, kategorisieren und verschlagworten, gern genommen, danke. Aber Leute, mal ganz im Ernst: authentische Portraits, Reportagen, Dokumentationen in Foto und Film, klug konzipierte Websites, mit Empathie und Klugheit übersetzte Gedichte, smarte Websites und dicke Kataloge: das alles machen ausgebildete Menschen mit Wissen, Erfahrung, Gespür und Empathie EINE MILLION MAL BESSER als jedes neue AI-Modell. Auch wenn die Großindustrie und ihre ApologetInnen euch das verständlicher Weise ganz anders verkaufen wollen. Don’t panic.

