Wie aus einem Auftrag in der Hamburger Speicherstadt eine Reise zum Ursprung des Tees wurde.
Text & Fotografie: Martin Zitzlaff
Der Auftrag
Es begann, wo viele Geschichten in Hamburg beginnen: in einem Kontor in der Speicherstadt. 2016 holte mich Hälssen & Lyon an Bord – eines der führenden Teehandelshäuser Europas, gegründet 1879, seit Generationen am Pickhuben zu Hause. „The world of tea under one roof“ ist dort kein Marketingversprechen, sondern eine Inventurliste: Hälssen & Lyon betreibt das weltweit größte Hochregallager für Teespezialitäten.
👉 Das PDF zu meiner Reise findet ihr hier: www.zitzlaff.com/TEA-Martin-Zitzlaff.pdf
Meinen Post zu KI und Authentizität findet ihr hier: www.zitzlaff.com/echt
Meine Aufgabe: dieser Welt ein Gesicht geben. Über die folgenden Jahre entstand das fotografische Erscheinungsbild des Traditionshauses – die Bildwelten von Website, Printmaterialien, großformatigen Messeauftritten, Imagefilm, dazu mehrere Recruitment- und Hygiene-Filme. Wer 2026 durch den Webauftritt von Hälssen & Lyon geht oder den Teekatalog aufschlägt, blättert durch mein Archiv.
Die Verwandlung
Was ich damals nicht ahnte: Der Tee würde sich revanchieren.
Man kann Tee nicht fotografieren, ohne ihn zu verstehen. Wir ließen im kiek.studio Schwarztee, Grüntee, Weißen Tee, Rooibos und Kräutermischungen durch das Licht rieseln – wieder und wieder, bis jede Sorte im Fallen ihren eigenen Charakter zeigte.
Ich stand auf Hubwagen im Hochregallager, dokumentierte die sensorische Arbeit der Verkoster im Pickhuben und lernte, dass Tee kein Getränk ist, sondern eine Landkarte: Jede Kiste ein Herkunftsort, jedes Blatt eine Handschrift, ein eigenes Aroma.
Aus dem Auftrag wurde Neugier. Aus der Neugier wurde – über Jahre der Zusammenarbeit, von 2016 bis 2023 – eine Leidenschaft. Ich wollte nicht mehr nur fotografieren, wo der Tee ankommt. Ich wollte sehen, wo er herkommt.
Die Reise
2026 bekam ich die Gelegenheit. Yunnan, Südwestchina – die Region, die als Urheimat der Teepflanze Camellia sinensis gilt. Der Legende nach fiel Kaiser Shen Nong vor knapp 5.000 Jahren das erste Teeblatt in die Schale mit heißem Wasser. Genau dort wollte ich hin. Ich hatte das große Glück, dass meine Guide Sonja Maas fließend Mandarin spricht (vielen Dank!!!) und machte mich auf den Weg zum Ursprung.
Die Anreise ist eine eigene Erzählung: vier Flugstunden von Beijing nach Kunming, vier Stunden Schnellzug nach Yunxian, dann zweieinhalb Stunden mit dem Auto hinauf in die Teeberge, kurz vor der Grenze zu Myanmar. Es gibt dort Tee und LTE – und sonst eigentlich nichts.
Dort oben stand ich dann vor einem Teebaum, der angeblich 1.800 Jahre alt ist. Ein Baum, der schon geerntet wurde, als die Hanse noch nicht einmal gegründet war – und dessen Blätter noch heute gepflückt werden. Ich habe die Menschen fotografiert, die mit diesen Bäumen leben, die Hände beim Pflücken, die Werkstätten, in denen aus grünem Blatt dunkler Tee wird.
Der Kreis
Zehn Jahre nach dem ersten Shooting in der Speicherstadt schließt sich für mich damit ein Kreis. Vom perfekt ausgeleuchteten Produktshot zum Ursprung in den Bergen von Yunnan – vom Kontor zum Baum.
Tee, habe ich gelernt, ist geduldig. Er wartet 1.800 Jahre auf einen Fotografen. Und manchmal wartet er auch nur zehn.
Das PDF zu meiner Reise findet ihr hier: www.zitzlaff.com/TEA-Martin-Zitzlaff.pdf
Meinen Post zu KI und Authentizität findet ihr hier: www.zitzlaff.com/echt








